Interview mit Brecht: Was denken Sie über die derzeitige Flüchtlingskrise?

Bertolt Brecht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herr Brecht, Was denken Sie über die derzeitige Flüchtlingskrise in Deutschland?

Ein fiktives Interview mit Bertolt Brecht

von Till 

 

Interviewer: Guten Abend Herr Brecht.

Bertolt Brecht: Guten Abend.

Interviewer: Herr Brecht, Sie haben bestimmt die Bilder von den ganzen Menschen gesehen, die sich auf der Flucht nach Deutschland, weg vom Krieg in ihrer Heimat, befinden.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie in die Gesichter dieser Menschen schauen? Sie waren selbst in einer sehr ähnlichen Situation und können sich bestimmt in diese Menschen hineinversetzen.

 Brecht: Wenn ich mir die Menschen anschaue, dann sehe ich ihnen die tiefe Entschlossenheit an, mit der sie die Strapazen der Flucht auf sich nehmen, in der Hoffnung auf ein Leben in Frieden. Es ist nicht einfach die Heimat zu verlassen, ohne zu wissen, ob man jemals wieder zurückzukehren wird. Dies habe ich auf meiner Flucht vor dem in Deutschland herrschenden NS-Regime selbst erfahren.

Interviewer: In vielen Ihrer Gedichte schreiben Sie über die Flucht und das Leben im Exil. Eins davon ist das Gedicht „Gedanken über die Dauer des Exils“ aus dem Jahre 1937. Was können Sie uns über die Entstehung des Gedichts erzählen?

Brecht: Wie Sie schon gesagt haben stammt das Gedicht aus dem Jahre 1937.

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich schon seit vier Jahren im Exil und lebte in der dänischen Stadt Svendborg.

Interviewer: Um was geht es in Ihrem Gedicht und inwiefern stellte es Ihre eigene Situation dar?

Brecht: Das Gedicht besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil spiegelt vor allem meine Gedanken aus den Anfangsjahren des Exils wider. Ich hatte die Hoffnung, dass ich bald wieder zurück nach Deutschland, meine Heimat, kehren könne.

Deshalb wählte ich auch Dänemark als Exilort aus. Von dort aus hätte ich bei einer Veränderung der politischen Lage in Deutschland unmittelbar heimkehren können.

Der zweite Teil des Gedichts stellt dagegen die Realität dar, welcher ich mir relativ schnell bewusst wurde. Mittlerweile war mir meine deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt worden und auch sonst deutete nicht viel auf eine baldige Rückkehr nach Deutschland hin.

Interviewer: Wie wird dies im Gedicht deutlich?

Brecht: Der Wechsel weg von der Hoffnung hin zum Sich-mit-der-Situation-abfinden wird vor allem an dem Nagel und dem Kastanienbaum deutlich. Beide Symbole tauchen sowohl im ersten als auch im zweiten Teil des Gedichts auf.

Wie schon erwähnt war ich zu Beginn meines Exils überzeugt, dass ich bald nach Deutschland zurückkehren könne. Ich war nicht daran interessiert in Dänemark heimisch zu werden. Deshalb kam es für mich auch nicht in Frage einen Nagel in die Wand zu schlagen geschweige denn einen Baum zu pflanzen, womit ich mir ja eine langfristige Aufgabe gegeben hätte.

Jedoch kam alles anders. Mein Aufenthalt in Dänemark dauerte länger an als zunächst erwartet und zwangsläufig musste ich mich an mein Leben im Exil gewöhnen. Deswegen ist im zweiten Teil des Gedichts der Nagel in der Wand und auch der Baum ist schon gewachsen. Dies macht deutlich, wie ich den Glauben an eine baldige Rückkehr aufgegeben habe.

Interviewer: Zum Schluss nochmal eine Frage zu den Flüchtlingen. Was erhoffen Sie sich für die Flüchtlinge in Deutschland?

Brecht: Ich hoffe, dass die Flüchtlinge hier in Deutschland mit offenen Armen aufgenommen werden, so dass sie die schrecklichen Erlebnisse aus dem Krieg möglichst gut verarbeiten können. Außerdem wünsche ich mir, dass sie hier in Deutschland eine neue Heimat finden können.

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