Interview mit Else Lasker-Schüler: Bis die Welt verrohte

Else Lasker-Schüler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was würde Else Lasker-Schüler sagen?

Ein fiktives Interview mit Else Lasker-Schüler

Von Sami 

 

Interviewer: Guten Tag Frau Lasker-Schüler. Vielen Dank, dass Sie sich für dieses Gespräch Zeit genommen haben.

Lasker-Schüler: Kein Problem, wenn ich mich nicht täusche, wollten Sie mir Fragen zu meinem Gedicht „Mein blaues Klavier“ stellen.

Interviewer: In der Tat. Zuvor wollte ich Sie jedoch fragen, wie Ihre Kindheit war. Als jüngstes von sechs Kindern wurden Sie im Februar 1869 geboren.

Lasker-Schüler: Genau. Mein Vater war ein wohlhabender Privatbankier, wodurch ich eine ausgelassene Kindheit haben durfte. Als ich noch klein war, wollte ich nie zu den anderen gehören, darum konnte man mich als „Außenseiter“ bezeichnen. Mit elf Jahren habe ich dann die Schule verlassen, da sie mir zu langweilig war.

Interviewer: Wie stand Ihr Vater zu dieser Entscheidung?

Lasker-Schüler: Er war strikt dagegen, sah sich aber beruhigt als ich 1895 einen Mann fand mit dem ich leben wollte und der meinen Lebensunterhalt finanzieren konnte.

Interviewer: Dieser Mann war der Arzt Berthold Lasker. Durch ihn konnten Sie Ihre Malstunden verwirklichen. Laut unseren Aufzeichnungen nahm Ihr Lehrer Sie in die sogenannte „Neue Gemeinschaft“ mit. Wer oder was war diese Gemeinschaft?

Lasker-Schüler: Dies ist einfach zu erklären. Im Großen und Ganzen war es ein Szenetreff aus Malern, Musikern, und Schriftstellern. Dort gefiel es mir weitaus mehr als zu Hause bei meinem Mann. Aus diesem Grund verließ ich ihn.

Interviewer: Dort fingen Sie an künstlerische Werke zu kreieren und zu verkaufen. Kommen wir nun zu einem anderen Thema. In Ihrer gelebten Zeit gab es viele Übergriffe auf ethnische Minderheiten. Sie, die dem jüdischen Glauben angehören. Wie haben Sie sich gefühlt?

Lasker-Schüler: Ich fühlte mich sehr bedroht. Ich bekam Drohbriefe und hatte immer enorme Angst auf die Straße zu gehen. Ich weiß nicht genau warum die Nationalsozialisten uns das angetan haben und die sag ich mal „normalen“ Christen nichts gegen unternommen haben. Als dann Hitler Reichskanzler geworden ist habe ich meine sieben Sachen gepackt und bin in die Schweiz ausgewandert. Dort konnte ich aber auch nicht bleiben wodurch ich mich gezwungen sah mit 70 nach Palästina zu ziehen.

Interviewer: Ihre Gefühle und Meinungen haben Sie dann im Gedicht „Mein blaues Klavier“ niedergeschrieben, welches später berühmt wurde. Könnten Sie uns erklären was Sie mit dem blauen Klavier meinen?

Lasker-Schüler: Zuallererst habe ich in der Farbe blau die Sehnsucht und das magische gemeint. Wie man erkennen kann habe ich das blaue Klavier zu Hause. Implizit bedeutet das, dass das „lyrische Ich“ nicht zu Hause ist.

Interviewer: Soll das mit dem Verlassen von Deutschland in Ihrem Leben assoziiert werden?

Lasker-Schüler: In der Tat, das blaue Klavier ist hierbei aber nicht nur für mich, sondern ein Symbol für alle Menschen die Ihre Heimat verlassen mussten, aber vieles zurücklassen mussten.

Interviewer: Sie schreiben, dass „die Welt verrohte“. Haben Sie damit den Aufstieg der Nationalsozialisten in der Weimarer Republik gemeint?

Lasker-Schüler: Auch korrekt. Außerdem habe ich mit den tanzenden Ratten ebenfalls die Rechtsradikalen gemeint. Wie Sie wissen werden Ratten mit negativen Dingen verbunden. Mit dem Umstand, dass Sie tanzen, feiern Sie Ihren Triumph.

Interviewer: Im Zuge dieses Triumphs wird ihr Klavier zerbrochen. Das bedeutet, dass die Nationalsozialisten Ihre Heimat zerstört.

Lasker-Schüler: Ich kann nichts garantieren, gehe aber davon aus, dass es zerstört oder entwendet wurde. Meine emotionale Bindung zu meiner Heimat verdeutlichte ich durch das Beweinen der blauen Toten.

Interviewer: Im nächsten Teil wollen Sie, dass die Engel dem lyrischen Ich den Weg zum Himmel öffnen.

Lasker-Schüler: Auch dies hatte mit mir zu tun. Ich wurde immer älter und älter. Musste mich durch viele Tiefs durchschlagen und hatte eine große Reise hinter mir. Ich war nun sehr erschöpft und sah meinem Ende entgegen.

Interviewer: Vielen Dank für Ihre Erklärungen zu einzelnen Textpassagen. Man kann Ihr Gedicht auch aktuell beziehen. Unter anderem die vielen Flüchtlinge die ebenfalls Ihre Heimat verlassen um Leid und Krieg zu entkommen. Sehen Sie da Gleichstellungen mit Ihrem Schicksal?

Lasker-Schüler: Man könnte dies in der Tat vergleichen. Nur wurden im Dritten Reich größtenteils Juden getötet. Nun wird in Syrien die gesamte Bevölkerung terrorisiert. Ein jeder von den Flüchtlingen hat eine gefährliche Reise hinter sich. Über Wasser und viele Landstrecken sind schon viele gestorben. Ich hatte früher im Vergleich eine angenehmere Reise.

Interviewer: Haben Sie noch ein paar letzte Worte an die Leser?

Lasker-Schüler: Abschließend möchte ich sagen, dass man aus der Geschichte lernen soll und begangene Fehler nicht noch einmal wiederholt, um ein friedliches Zusammenleben aller Menschen jeglicher Ethnie und Herkunft ermöglichen kann.

 

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